Samstag, 9. Februar 2013

Tickst du noch ganz richtig? - Ein offener Brief an die biologische Uhr.


Hallo, mein liebe innere Uhr!

Du wunderst dich vielleicht, warum ich auf diesem Wege mit Dir in Kontakt trete, doch auf andere Weise scheinst du mich ja einfach nicht verstehen zu wollen.
Gut, aktuell sind ca. 80% der Frauen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis schwanger beziehungsweise haben ein relativ frisch geschlüpftes Baby zu Hause. Ich verstehe dich ja ein wenig. Aber bedeutet das auch gleich, dass ich auf diesen Zug aufspringen muss? Tut es wirklich Not, dass du mich hochschwanger durch die Nächte jagst und ich im Traum mein Neugeborenes im Arm halte? Also, bitte!
Ich mag Kinder. Überhaupt gar keine Frage. Habe ich schon immer. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester gemacht. Dann eine zur Erzieherin. Dann habe ich studiert und bin aktuell Sozialarbeiterin an einer Schule. Das sind wohl alles Dinge, die man sicher nicht machen kann/will/wird, wenn man Kinder als kleine klebrige und nervtötende Bratzen sieht, denen man am Besten alles vorkaut und die auch sonst zu nicht viel zu gebrauchen sind. So ist es bei mir doch aber überhaupt gar nicht. Die Kinder von Freunden sind großartig. Ich verbringe auch gern mehrere Tage am Stück mit ihnen; wann sonst hat man denn auch bitte die Möglichkeit ihnen all den tollen Quatsch beizubringen, den Eltern aus pädagogischen Gründen nicht weitergeben dürfen? Aber muss ich deshalb auch eigene Kinder wollen? Jetzt? Sofort?
Liebe Uhr, ich will ja gar nicht sagen, dass ich niemals in meinem Leben Kinder will. Das würde so auch gar nicht stimmen. Ich will das. Definitiv! Aktuell bin ich aber einfach noch zu sehr mit mir beschäftigt. Ich habe einen 10 Stunden Tag und wenn ich danach noch einkaufen fahre und sonstige Besorgungen mache, dann bin ich gut und gerne 12 Stunden aus dem Haus. Mit Kindern so ganz sicher nicht schaffbar. Ich habe noch so viel vor, was ich aufgrund der langen Ausbildungs-/Studienzeit einfach aus finanziellen Gründen noch nicht machen konnte. Ich möchte meinem Kind später nicht (unbewusst) die Schuld daran geben, dass ich das Gefühl habe etwas verpasst zu haben. Es wird sicher ein Aufschrei durch die Elternwelt gehen, denn wenn man sein eigenes Kind im Arm hält, dann hat man doch ganz bestimmt nie wieder das Gefühl irgendwas anderes verpasst zu haben. Tja, und da wären wir auch schon beim Punkt. Solange ich kein eigenes Kind im Arm halte, werde ich dieses Gefühl nicht kennen und genau so lange möchte ich mich auch nicht mit dieser „Was wäre wenn?“-Frage beschäftigen.
Ich bin Single und berufstätig. Ich habe Freunde und Hobbies. Uhr, hör zu! Solange da kein Mann ist, der mich bei der Familiengründung unterstützt - Und ja, ich hätte dazu gern dauerhaft einen Mann an meiner Seite und habe keine Lust mich als alleinerziehende Mutter durch’s Leben zu quälen. - da möchte ich nicht von Schwangerschaften und eigenen Kindern träumen. Ich möchte nicht aus heiterem Himmel wehmütig gucken müssen, wenn ich Neugeborene sehe und habe auch keine Lust mit kleinen Babies auf dem Arm vor einem Spiegel zu stehen und zu gucken, wie mir das denn so steht. Ich möchte das einfach noch nicht. Nicht jetzt. Lass mich einfach in Ruhe. Vor einem Jahr war das doch auch kein Problem. Gib mir noch ein bisschen Zeit. Ich muss noch keine Panik bekommen. Ein paar Jährchen habe ich dazu noch Zeit. Später, da kannst du mir mein Leben gern zur Hölle machen. Aber vielleicht bin ich dir dann ja auch zuvor gekommen. Man weiß es nicht. Lassen wir uns doch einfach beide überraschen. Du und ich. Na, wie wäre das? Was hältst du davon, wenn wir einfach die Zeit entscheiden lassen, ob und wann es vielleicht mal soweit sein könnte. Bis dahin erfreuen wir uns an den Kindern von Freunden und gucken uns, was die Erziehung angeht, einfach das Beste ab. Deal? Denk mal darüber nach, vielleicht lenkt dich das ja auch ein bisschen ab.

Liebe Grüße
                     deine Pfau

Kommentare:

  1. Ich kann es so gut verstehen.
    Ein Kind war für mich auch nie ein "Lebensinhalt" oder unbedingt anzustrebendes Ziel. Mit 20 fühlte ich mich gar nicht dazu bereit und jetzt mit 30 war es auch nie so ein "Thema". Ab und zu hat man mal drüber nachgedacht, wie es denn wäre etc. Aber ernsthaft war es kein Thema. Endlich hat man einen richtigen Beruf, Geld, Selbstbewußtsein und kann so viel machen. Ich glaube, wenn unser Baby nicht entschlossen hätte, sich mal auf den Weg zu machen- hätte ich auch noch die nächsten Jahre Kinderlos und dennoch glücklich verbracht. Es ist nicht immer ein einfaches Thema. Aber wirklich kein Grund zum stressen. <3 Wenn dich die Sehnsucht packt, komme ich mit der Kleinen angebraust und die schönsten Sachen hebe ich einfach mal im Schrank auf. Atmen, die Zeit genießen, ab und zu träumen und es wird alles gut.

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    1. Ich bin mal gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen und Monaten noch entwickelt. Im Notfall muss ich mir halt wirklich alle verfügbaren Kinder ausborgen und sie bespaßen.
      Du, Schnuffi und der werte Gatte, ihr seid aber auch ohne hormonelle Sehnsucht jederzeit bei mir willkommen. Das ist ja wohl klar. <3

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